4. Neujahrsempfang in Rostock
4. Neujahrsempfang der Unfallkasse MV und des LAGuS
"Schöne neue Arbeitswelt: Digitalkultur oder Kabelsalat?"
Auswirkungen der Digitalisierung auf Gesundheit und Arbeitssicherheit in Rostocker Ostseestadion diskutiert
Insgesamt 139 Führungskräfte und Arbeitsschutzexperten aus ganz Mecklenburg-Vorpommern kamen am 15. Januar 2020 unter dem Motto "Schöne neue Arbeitswelt: Digitalkultur oder Kabelsalat?" zum Neujahrsempfang der Unfallkasse MV und des LAGuS im Businessclub des Rostocker Ostseestadions zusammen.
Einen Tag lang informierten Vorträge und Diskussionen über den Stand der Digitalisierung in unserem Bundesland und ihre Auswirkungen auf Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit. Als Referenten hatten sich u.a. Minister Christian Pegel, Prof. Dr. Paridon von der Gesundheitshochschule Gera, Dr. Martin Braun vom Fraunhofer Insititut und Dr. Heiko Will vom LAGuS angekündigt.
Die Veranstaltung eröffnete Sebastian Körner, Geschäftsführer der Unfallkasse MV. Nikolaus Voss, Staatssekretär im Ministerium für Soziales, Integration und Gleichstellung, forderte in seinem Grußwort das Berücksichtigen der Interessen von Menschen mit Behinderungen bei der Digitalisierung.
Anschließend musste die Teilnehmenden ihre eigene digitale Kompetenz beweisen. Bei einem Voting "Wie digital ist Ihre Arbeitswelt?" wurden die Smartphones gezückt und Gedanken und Meinungen zur Digitalisierung eingegeben. Begriffe wie "Ständige Erreichbarkeit" und "Stress" standen "Fortschritt" und "Schnelligkeit" an vordersten Plätzen gegenüber.
Dr. Martin Braun vom Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO referierte über die Digitale Transformation in der öffentlichen Verwaltung. Wissenschaftlich basiert berichtete er von Veränderungen in der Arbeitswelt, einer größeren Komplexität und Änderungen des Tätigkeitsprofils. "Ohne den Menschen wird es nicht gehen, trotz aller Digitalisierung", so sein Fazit.
In einem mitreißenden Referat zu unterschiedlichen Vorstellungen und Werten der Generationen zur Digitalisierung kam Frau Prof. Dr. Paridon zu dem Ergebnis: "Es ist ein Mythos, dass es hinsichtlich der Einstellungen und Werte zwischen Jung und Alt Unterschiede gibt. Die Differenzen basieren auf der Bildung". Sie belegte diese These mit zahlreichen Untersuchungsergebnissen.
Sehr lebendig, informativ, unterhaltsam und mit zahlreichen bildlichen Vergleichen gespickt war der Vortrag von Digitalisierungsminister Christian Pegel. Er berichtete von der Digitalen Agenda MV, den Zielen und auch den zu bewältigenden Herausforderungen. Anschließend stellte er sich - gemeinsam mit Wolfgang Schmülling, 1. Stellvertreter und Beigeordneter des Landkreises Ludwiglust -Parchim, dem Schweriner Oberbürgermeister Dr. Rico Badenschier, Conny Dethloff von der Otto Group und Dr. Martin Braun - in einer Podiumsdiskussion weiteren Fragen. Einigkeit herrschte darin, sich von der ständigen Erreichbarkeit dank Technik nicht unter Druck setzen zu lassen. "Eine E-Mail schreibe ich nur nachts um 11, wenn mir noch etwas Wichtiges einfällt", so der Minister. "Aber ich erwarte nicht, dass sie auch gleich beantwortet wird." Wolfgang Schmülling berichtete von seiner gesundheitsfördernden Handhabung dienstlicher, nicht dringender Anrufe am Wochenende oder nachts. "Wann ich zurückrufe, entscheide ich." Es sei ein Fehler einiger jüngerer, scheinbar karrierebewusster Kolleginnen und Kollegen, zu meinen, rund um die Uhr erreichbar sein zu müssen.
Im Laufe der Diskussion warf der Schweriner OB Dr. Badenschier die Frage auf: "Wie schaffen wir es, dass die Kinder den Lehrern die technischen Geräte erklären?" Hier schien es doch noch einen Generationenmythos zu geben, was technisches Verständnis betrifft.
Der Erste Direktor des LAGuS, Dr. Heiko Will, warf in seinem inhaltsreichen und lebendigen Referat viele Fragen zu den Möglichkeiten des technischen Fortschritts und deren Handhabung auf.
"Der Weg ist das Ziel", so Prof. Paridon abschließend hinsichtlich der Digitalisierung. Neben einer gewissen Eigenverantwortung jeder und jedes Einzelnen im Umgang mit der modernen Technik kristallisierte sich in allen Beiträgen des Neujahrsempfangs heraus: Technik kann keinen Menschen ersetzen.
"Wir als Unfallkasse kümmern uns mit unserem Schwerpunkt Prävention auch darum, dass es gar nicht erst zu Arbeitsunfällen und berufsbedingten Krankheiten kommt", erläuterte der Geschäftsführer der Unfallkasse MV. "Es darf nicht sein, dass Mitarbeiter oder Mitarbeiterinnen durch den technischen Fortschritt, wachsende Komplexität der Arbeitsaufgaben und ständige Erreichbarkeit krank werden". Deshalb gälte es, die Auswirkungen der Digitalisierung auf Arbeitssicherheit und Gesundheit im Auge zu behalten. Außerdem müsse jede und jeder bei technischen Entwicklungen mitgenommen werden. "Zukunft gelingt nur, wenn wir alle denselben Weg gehen".
Präsentationen des 4. Neujahrsempfanges als PDF-Dateien
Dr. Martin Braun "Die Digitale Transformation in der öffentlichen Verwaltung"
Prof. Dr. Hiltraut Paridon "Digitalisierung bei Jung und Alt: Was wissen wir über die Vorstellungen und Werte der jüngeren Generation?"